Bayern-Verfolger Nummer eins gesucht: Im Top-Spiel des 15. Spieltags treffen der derzeitige Bundesliga-Zweite Leverkusen und der Dritteplatzierte Borussia Dortmund aufeinander. Der BVB will unbedingt siegen, bangt aber um Nationalspieler Marco Reus. Bei Bayer gibt man sich bescheiden.
Es ist ein echtes Spitzenspiel: Auf der einen Seite Borussia Dortmund, im vergangenen Mai im Champions-League-Finale, 2011 und 2012 Meister. Auf der anderen Bayer Leverkusen, aktuell Tabellenzweiter der Liga. Eigentlich sollten beide Teams vor Selbstvertrauen strotzen. Doch das ist nicht der Fall - und daran ist auch Bayern München schuld.
Der Triple-Sieger ist auch in diesem Jahr das Maß aller Dinge, nur wenige glauben daran, dass der aktuelle Tabellenführer der Bundesliga (38 Punkte) sich in diesem Jahr noch vom Thron schubsen lässt - und dabei ist noch nicht einmal die Hälfte der Saison vorbei. Bayer-Sportchef Rudi Völler selbst hatte jüngst alle Titel-Chancen seines Teams ins Reich der Fabeln verwiesen.
Und doch ist Leverkusen zumindest auf dem Papier erster Verfolger der Bayern. 34 Punkte hat der Club - und damit drei mehr als der Drittplatzierte aus Dortmund, auf den Bayer nun im direkten Duell trifft (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). BVB-Coach Jürgen Klopp ist dennoch optimistisch und fordert einen Sieg seines Teams: "Der Endspurt der Hinrunde hat noch drei Spiele. Wir haben nichts mehr zu verschenken und wollen alle gewinnen", sagte Klopp.
"Wir holen uns jetzt Platz zwei zurück"
Beide Mannschaften stecken in einer wichtigen Phase der Saison. Die Achtelfinal-Hürden im DFB-Pokal haben sie zwar erfolgreich genommen, ein Sieg im Bundesliga-Topspiel würde Tabellenführer Bayern München zumindest in Sichtweite halten. Und am Dienstag sowie Mittwoch stehen für Bayer (bei Real Sociedad San Sebastian) und den BVB (bei Olympique Marseille) die Endspiele um den Einzug in die K.-o.-Phase der Champions League an.
Der BVB fokussiert sich jedoch erst einmal auf das Spiel gegen Leverkusen: "Bayer spielt eine unfassbare Saison. Aber unser Anspruch ist es trotzdem, uns Platz zwei zurückzuerobern", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.
Drei Niederlagen hat Dortmund in dieser Saison bereits kassiert: Das Heimspiel gegen die Bayern ging deutlich 0:3 verloren, viel ärgerlicher waren aber die Pleiten in Mönchengladbach und Wolfsburg. "Wir haben 31 Punkte, das ist nicht schlecht. Dennoch haben wir Punkte liegenlassen, die uns schon richtig wehtun", sagte Klopp. Dass Leverkusen es derzeit auf drei Zähler mehr bringt, ärgert den 46-Jährigen: "Das zeigt aber auch, dass sie stabil sind."
"Die Borussia ist einfach besser"
Auch in Leverkusen ist der Respekt groß, Trainer Sami Hyypiä ist skeptisch ob der eigenen Siegchancen: "Es wird schwer, in Dortmund etwas mitzunehmen. Der BVB hat über Jahre gezeigt, dass er eine Top-Mannschaft ist", sagt der Finne: "Die Borussia ist einfach besser, deshalb können wir zufrieden sein, dass wir derzeit vor ihnen stehen."
Auch Bayer-Geschäftsführer Michael Schade sieht seine Profis nicht auf Augenhöhe mit dem BVB. "Natürlich geht man in so ein Spiel, um etwas zu erreichen. Aber für uns gibt es eigentlich wichtigere Spiele. Unsere Konkurrenz heißt nicht Bayern und Dortmund, sondern Wolfsburg, Gladbach und Schalke."
Personell haben die Dortmunder die größeren Sorgen. Neben den langzeitverletzten Leistungsträgern Mats Hummels, Neven Subotic und Ilkay Gündogan bangt Klopp vor allem um Marco Reus. Noch steht wegen seiner Wadenblessur nicht fest, ob der Nationalspieler auflaufen kann. "Wir werden da nichts riskieren", so Klopp.
Lachen könnte am Ende Bayern München. Dessen neuer Coach Josep Guardiola hatte sich jüngst erst erklären lassen müssen, was eine Herbstmeisterschaft ist. Bei einem Remis der beiden Verfolger, oder einem Sieg des BVB könnte der FCB diese schon vorzeitig feiern - ein eigener Sieg bei Werder Bremen (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorausgesetzt. Doch das hat für Guardiola noch nichts zu sagen: "Die Bundesliga ist im Winter nicht zu Ende."

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