Monday, November 25, 2013

Das Ende der guten Laune

BVB-Trainer Jürgen Klopp gibt sich vor dem Spitzenspiel von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München etwas dünnhäutig.

Selten war Jürgen Klopp in seinen herrlichen Jahren bei Borussia Dortmund so dünnhäutig wie in dieser Woche vor dem großen Spiel gegen Bayern München. Als er am Donnerstag auf der Pressekonferenz erschien, wirkte er angestrengt, sein Begrüßungslächeln hatte etwas Gequältes, dabei liebt der Erfolgstrainer das Spiel mit den Kameras eigentlich. Aber im Moment stören die Berichterstatter.

Nachdem ein langjähriger und unter Kollegen geschätzter Begleiter von Borussia Dortmund den Mut fasste, das diffizile Verhältnis des BVB zur Nationalmannschaftsführung anzusprechen, wurde Klopp sogar persönlich: „Ich finde es schade, dass Du immer mehr in diesen Bereich abdriftest; den seriösen Teil, den hast Du abgegeben“, unterstellte er dem Reporter.

Wieso Klopp die Frage unseriös fand, ist rätselhaft, zumal Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Debatte immer wieder mit eigenen Anspielungen befeuert hatte. Sie schwelt, ist relevanter Teil der öffentlichen Diskussion, und das jüngste Länderspiel in England, in dem sich Mats Hummels und Marcel Schmelzer verletzten, bot sogar noch einen akuten Anlass.

Stil Schuld an Verletzungen?

Es mangelt Klopp derzeit offenbar an der Souveränität, im Umgang mit kritischen Themen, das zeigte auch seine Reaktion auf eine andere Frage, die sich aufdrängt, seit klar ist, dass die beiden frisch verletzten Nationalverteidiger die Partie gegen den FC Bayern von der Tribüne aus ansehen müssen: Ist es möglich, dass die Häufung von Verletzungen, von denen der Dortmunder Kader in dieser Saison erschüttert wird, in einem Zusammenhang mit dem Hochintensitätsfußball steht, den Klopp erfunden hat?

Der Trainer reagierte regelrecht gekränkt, auf diese These: „Wir sind eine Mannschaft, die sich extrem viel abverlangt, und das habt Ihr zigtausendmal gelobt“, zürnte er. „Verletzungen entstehen, aus unterschiedlichen Gründen, die meisten hängen tatsächlich mit Belastungen zusammen, aber das hat weniger damit zu tun, was man im Spiel macht“. Die Münchner hätten derzeit „nicht weniger Verletzungen, die können es nur besser auffangen.“ Eine Frage des Stils sei das nicht, findet der Coach.

Allerdings gibt es schon ein paar auffällige Indizien: In den vergangenen sechs Monaten fielen Schmelzer, Subotic, Hummels, Piszczek, Gündogan, Sven Bender und Blaszczykowski mit Verletzungen aus, deren Ursache keine groben Foulspiele waren. In den Jahren 2011 und 2012, als der BVB erstmals mit Klopps Vollgasfußball an drei Wettbewerben teilnahm und jeweils deutscher Meister wurde, gab es hingegen (abgesehen von Kagawas Kreuzbandriss) praktisch keine schwereren Verletzungen. Und Profis, die noch nicht so lange in Dortmund dabei sind, sind bisher verschont geblieben.

Klar ist, dass Klopps Dortmunder im Gegensatz zu den anderen Topklubs aus der Bundesliga in den Kategorien „gelaufene Kilometer“ und „absolvierte Sprints“ seit drei Jahren ganz weit oben in den Rankings positioniert sind. Wenn man „regelmäßig in diese Grenzbereiche geht, braucht man überproportional mehr Regenerationszeit“, erklärt Professor Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln, und dass ein Defizit an Regeneration irgendwann die Verletzungsgefahr erhöht, ist kein Geheimnis. Die Fähigkeit, manche Partien mit sauber kalkulierten Minimalaufwand nach Hause zu schaukeln, statt mehrmals pro Woche am Anschlag zu spielen, könnte also durchaus helfen.

Regeneration ist schwierig

Den Dortmundern würde so ein Stil aber eher schwerfallen, es ist daher verständlich, dass Klopp anderswo nach Ursachen für die Pechsträhne sucht. Zum Beispiel im Terminkalender. „Je erfolgreicher man wird, desto engmaschiger wird das Netz. Die Pausen für Nationalspieler und Spieler, die ständig in der Champions League aktiv sind, sind praktisch nicht mehr gegeben.“ Und in diesem Rhythmus sei weniger die körperliche Regeneration schwierig, „sondern es geht tatsächlich darum, was einen ansonsten noch so beschäftigt“, erläuterte der Trainer. „Die Jungs hatten Druck, die müssen im Grunde fast jedes Spiel gewinnen. Das sind alles Dinge, die dazu führen, dass am Ende irgendwann aus einem ungeschickten Moment heraus ein Band nachgibt.“

 Klopp will vermeiden, den motivatorischen Zugriff auf seine Jungs zu verlieren. „In dem Moment, wo Eure Berichterstattung es schafft, den Spielern ihre Lust auf Bewegung zu nehmen, bedeutet das automatisch: richtig schwierige Zeiten.“ Nimmt man Klopps Laune zum Maßstab, hat er die schon jetzt.

No comments:

Post a Comment