Marco Reus bewahrt den BVB mit drei Treffern vor einer Niederlage gegen starke Stuttgarter. Schiedsrichter Michael Weiner muss sich nach 75 Minuten mit einem Achillessehnenriss selbst auswechseln.
Borussia Dortmund hat soeben noch das Schlimmste, was aus Sicht seiner Fans an diesem Spieltag hätte passieren können, verhindern können. Nämlich dass der FC Schalke in der Tabelle am BVB vorbeizieht. Der Tabellenzweite lag dabei nach 19 Minuten in Stuttgart schon 0:2 zurück, konnte die Partie aber noch drehen und durch den 3:2-Erfolg den Ein-Punkte-Vorsprung vor den Gelsenkirchenern bewahren.
Zu verdanken war das vor allem Nationalspieler Marco Reus, der alle Dortmunder Treffer erzielte (30., 68. und 83 Minute). Für den VfB allerdings wird die Lage auf Platz 17 immer prekärer. Der Tabellenletzte Braunschweig ist bis auf zwei Punkte an die Schwaben heran gerückt.
Vier Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Real Madrid (Mittwoch, 20.45 Uhr / Sky, RTL und im FAZ.NET-Liveticker) hatte Jürgen Klopp neben seinen personellen Sorgen noch eine Befürchtung – dass der VfB Stuttgart in seinem Überlebenskampf in der Bundesliga die körperliche Note etwas übertreiben könnte.
Doch die Sorge des Dortmunder Trainers, die Zweikämpfe würden möglicherweise die Grenze der Fairness überschreiten, erwies sich vor in der Anfangsphase als völlig unbegründet. Seine Spieler gingen zunächst nämlich Zweikämpfen möglichst aus dem Weg und zeigten nur einen sehr dezenten Einsatz. Das spielte dem VfB früh in die Karten, der sich zusätzlich über eine unglaubliche hohe Fehlpassquote der Borussia freuen durfte.
Das alles kulminierte in der 9. Minute im Führungstreffer der Schwaben, der mit freundlicher Unterstützung der BVB-Abwehr entstand. Der Angriff schien dabei schon abgewehrt, aber der Versuch von Oliver Kirch, der den Vorzug vor Nuri Sahin erhalten hatte, die ganze Angelegenheit spielerisch zu lösen, ging buchstäblich nach hinten los.
Sein kurzer Rückpass auf Sokratis war viel zu lasch gespielt – Gentner spritzte dazwischen und ließ Torwart Roman Weidenfeller keine Chance. Der auf vielen Positionen einsetzbarer Dortmunder Nationalspieler agierte diesmal als rechter Verteidiger, da der Pole Lukasz Piszczek wegen seiner muskulären Probleme geschont wurde – am Mittwoch wartet schließlich Cristiano Ronaldo auf ihn.
Nach der Führung konnte sich der VfB massiv im Mittelfeld aufstellen und kam angesichts eines fahrigen Gegners zu einigen Konterchancen – und musste nicht lange auf den zweiten Treffer warten. Diesmal setzte sich auf der rechten Seite Traore allzu leicht gegen Durm durch, und seinen Querpass vor dem Dortmunder Tor musste Martin Harnik nur noch zum 2:0 (19.) abprallen lassen.
Aufgewacht war die Borussia danach immer noch nicht, denn wenig später bot sich Ibisevic sogar die Gelegenheit, noch weiter zu erhöhen. Nach einer halben Stunde aber hätte es urplötzlich 2:2 heißen müssen. Reus hatte zunächst den Anschlusstreffer (30.) erzielt, als Hofmann ihn im Strafraum freigespielt hatte. Und nur 60 Sekunden später scheiterte Mchitarjan an Ulreich. Immerhin hatte die Borussia danach tatsächlich begonnen, Fußball zu spielen und war dem Ausgleich kurz vor der Pause ziemlich nahe – der Schuss von Marco Reus aus vier Metern wurde aber von Niedermeier noch abgeblockt.
Am Spielgeschehen änderte sich auch nach dem Wechsel nichts. Der VfB lauerte weiterhin auf Dortmunder Fehler, die Borussia drängte auf das 2:2, das der Pfosten bei Lewandowskis Schuss in der 56. Minute verhinderte. Nach einer Stunde verstärkte Klopp die Offensive, brachte Sahin für den Gelb-Rot gefährdeten Kirch und Aubameyang für Mchitarjan.
Mit Sahin aber kam erheblich mehr Passkultur in das Dortmunder Spiel, das nun sicherer wurde – was schnell zum Ausgleich führte. Niedermeier hatte Lewandowski im Strafraum festgehalten, was zur Höchststrafe für den VfB geriet: Der VfB-Innenverteidiger sah Rot (67.) wegen der Notbremse, und Reus nutzte den Elfmeter zum 2:2. Danach musste Schiedsrichter Weiner wegen eines Achillessehnenrisses das Feld verlassen. Linienrichter Norbert Grudzinski übernahm die Spielleitung.
An ihm lag es nicht, dass die Partie angesichts der Dortmunder Überzahl noch die erwartete Wende nahm. Aubameyang nutzte nach 80 Minuten seine Sprintstärke, und seinen Rückpass nutzte Reus mit etwas Glück zur Dortmunder 3:2-Führung. Der Sieg wackelte noch einmal, als Harnik eine große Ausgleichsmöglichkeit vergab. Letztlich blieb dem VfB aber nur die Erkenntnis, an der Überraschung geschnuppert zu haben.

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