Kevin Großkreutz gibt an der Hotelbar einen aus
In der Kabine wurden ein paar Lieder angestimmt, der Busfahrer brachte die ersten Flaschen Pils, nur Matchwinner Kevin Großkreutz war nicht mehr ansprechbar.
"Ich hatte so 5000 Nachrichten. Ich glaube, das geht die ganze Nacht so. Die anderen haben schon gesagt: Leg das Handy endlich mal weg!", sagte der Ur-Dortmunder nach seinem erlösenden Siegtor (87.) beim 2:1 (1:1)-Zittersieg der Borussia bei Olympique Marseille und dem damit verbundenen Achtelfinaleinzug in der Champions League.
Der 25-Jährige genoss das "geniale Gefühl" nach dem Schlusspfiff eher still, auf dem Platz war er noch außer Rand und Band gewesen. Nach seinem Treffer sprang er vor dem BVB-Fanblock auf den Zaun und brüllte seine Freude heraus. "Wenn man in die Gesichter der Fans gesehen hat, freut man sich umso mehr", sagte Großkreutz, der die kurzzeitige Missachtung seiner Teamkollegen in der Kabine wieder gutmachen wollte: "Zur Feier des Tages gebe ich der Mannschaft gerne einen an der Hotelbar aus."
Die Erlaubnis seines Trainers hatte er sich dafür schon eingeholt – wenn auch nur für ein oder zwei Bier. "Es wird eine Happy Hour geben. Aber keine Angst. Die Spieler werden sich nicht betrinken, sie müssen nur nichts zahlen", sagte Jürgen Klopp mit einem breiten Grinsen.
In den 90 Minuten zuvor war dem BVB-Coach lange nicht zum Lachen zumute gewesen, auch wenn der von ihm überraschend aufgestellte 18-Jährige Marian Sarr (kein Bundesligaspiel) bei seinem ersten Auftritt in der Königsklasse eine starke Partie in der Innenverteidigung bot. Trotz der frühen Führung durch Robert Lewandowski (4.) und Gelb-Rot gegen Dimitri Payet (34./"Schwalbe") musste der BVB bis zur Erlösung durch Großkreutz zittern.
"Das Spiel hatte von der Spannung her Malaga-Qualität. Am Ende haben wir eigentlich alles richtig gemacht, aber doch so viel falsch, dass wir sehr viele klare Chancen gegen einen leidenschaftlichen und tief stehenden Gegner nicht genutzt haben", sagte Klopp, der nach schwacher erster Halbzeit und dem Ausgleich durch Souleymane Diawara (14.) den vielen vergebenen Möglichkeiten im zweiten Durchgang nachtrauerte: "Wir haben das Schicksal durch ein erwürgtes Tor erzwungen."
Bei seinem Schuss, der dem BVB weitere 3,5 Millionen Euro für den Achtelfinaleinzug bescherte, hatte Großkreutz den Ball gar nicht richtig getroffen. "Julian Schieber legt ihn mir perfekt auf, ich rutsche dann weg und treffe den Ball nicht voll. Er geht dann aber zum Glück perfekt rein", berichtete der umjubelte Torschütze.
Reinhard Rauball hatte es schon vor dem Spiel geahnt. "Ich habe Kevin vorher gesagt, dass er mal wieder dran wäre, ein Tor zu erzielen", sagte der BVB-Präsident, der nun mit Spannung auf die Auslosung am Montag blickt. Der AC Mailand, Galatasaray Istanbul, Zenit St. Petersburg, Manchester City und Olympiakos Piräus sind die möglichen Gegner. "Ich habe meine Vorstellungen, die werde ich aber nicht öffentlich machen", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der wie alle BVB-Verantwortlichen erleichtert war, nach dem Finaleinzug in der vergangenen Saison nicht schon in der Gruppenphase gescheitert zu sein: "Zur Europa-League-Auslosung wäre ich nicht gefahren.

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